WüsteHandlung:

Der Besuch bei einem Vedek wird für Julian Bashir zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. Er sieht sich plötzlich in der Vergangenheit der Erde gefangen ohne Hoffnung auf Rückkehr. Im Jahre 1994 begegnet er Rachel, der jungen Entwicklungshelferin, arbeitet in einem Flüchtlingslager als Arzt und gerät in die politischen Wirren einer Militärdiktatur. Er taucht ein in eine, ihm fremde, Zivilisation und sieht sich dort mit seinen Wurzeln konfrontiert. Die ganze Zeit über beschäftigt ihn eine Frage: Wird er je wieder nach DS9 zurückkehren können? Doch am Ende ist er sich nicht sicher, ob er das überhaupt noch möchte…

Diese etwas andere Geschichte erzählt vom kargem Leben im Sudan, von Gewalt und Haß, von Liebe und Vertrauen und wie man lernt, seine Herkunft zu akzeptieren.

 

Wüstenpfade; 125 Seiten mit Illustrationen

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Textauszug aus „Wüstenpfade“:

Greifbare Stille umgab Julian Bashir, als er den Klostergarten betrat. Die hohen tiefgrünen Wipfel der Bäume schienen ihn umsorgen zu wollen, und der Wind streichelte mit sanftem Hauch über sein Gesicht. Die Realität verlor sich hier im bajoranischen Kloster Latal. Er glaubte sich in einer fremden, fernen Welt, in der es nichts gab außer Frieden und Glück.
Auf den Stufen vor dem Tempel wartete eine Gestalt auf ihn.
„Vedek Moratan?“ Warum war seine Stimme so leise? Julians Eindruck von all dem hier war so intensiv, daß es ihm Angst machte.
„Ich habe Sie bereits erwartet“, sagte der Priester und forderte Julian auf, ihm zu folgen.
„Woher wußten Sie, daß ich heute kommen werde?“ Der Arzt war wirklich erstaunt. Er hatte niemandem erzählt, daß er hierher gehen würde.
„Die Propheten sind weise.“
Es war nur eine Antwort, aber sie hinterließ nur weitere Fragen in ihm. Er folgte dem Vedek durch das Dunkel des bajoranischen Tempels, vorbei an brennenden Fackeln und Skulpturen voller Schatten. Es war schon ein wenig seltsam, als er daran dachte, wie er die Botschaft empfangen hatte. Nur fünf Worte waren es, die ihn hierher geholt hatten – Die Propheten warten auf Sie.
Erst wußte er nichts damit anzufangen, aber dann fand er die Datei mit der Karte des Klosters und den Namen eines Vedeks. Nur eine Antwort, wieso das alles, die bekam er nicht. Neugierde trieb ihn, als er sich nach einiger Zeit aufmachte, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Vedek Moratan öffnete eine zweiflüglige Tür, die in einen roten Raum führte. Julian sah sich um. Es gab hier nichts weiter als ein paar Fackeln und einen Schrank. Wortlos schloß der Vedek die Tür hinter ihnen und begab sich zum Schrank.
„Warum haben Sie mich hier hergeholt?“, brachte der Arzt endlich den Mut auf zu fragen.
„Pscht!“, machte Moratan und legte andeutungsweise einen Finger auf seine Lippen. Schließlich kramte er einen Schlüssel hervor und schloß damit die Tür des Schrankes auf.
„Ein Schrein der Propheten!“ entfuhr es Julian, als er daß kastenförmige Artefakt erblickte. Das letzte Mal, das er es gesehen hatte, war auf DS9 gewesen, kurz nach seiner Ankunft vor vier Jahren. Man hatte ihm erzählt, welche Macht es besaß. Aber warum war er jetzt hier?
„Die Fragen in Ihren Augen, sie sind wie Feuer.“ Die Stimme des Vedeks war so vertraut. Er berührte Julian am linken Ohrläppchen und der Arzt hatte das Gefühl, daß er sich einfach fallen lassen konnte, ohne daß ihm etwas geschah. Er widerstand der Versuchung und fragte statt dessen mit brüchiger Stimme: „Warum?“.
Der Vedek lächelte. „Sie werden Ihre Antworten bekommen und noch so viel mehr, daß Sie danach ein anderer Mensch sein werden. Ein besserer Mensch, als Sie es jetzt schon sind. Sie werden die Vergangenheit Ihrer Vergangenheit sehen, damit Sie Ihre Zukunft erkennen, und Sie werden lernen was und wer Sie sind.“
Julian schüttelte mit den Kopf. „Ich, ich… Es tut mir leid, aber ich verstehe nichts von dem, was Sie sagen.“
„Haben Sie keine Angst, Sie werden verstehen.“ Der Priester öffnete den Schrein. Das grüne Leuchten des Drehkörpers erfüllte den Raum und spiegelte sich in Julians Augen. Er bekam Angst, aber er war unfähig sich zu bewegen. Und dann geschah etwas sehr Merkwürdiges mit ihm. Er begann zu fließen. Etwas sehr Mächtiges riß ihn mit sich, er wurde Teil dessen und floß dahin wie ein Fluß – ein wunderbares Gefühl, das viel zu schnell zu Ende ging. Er wurde Substanz, das Fließen entzog sich ihm. Verzweifelt versuchte er es aufzuhalten, doch es schwand dahin. Zurück blieb nur der Sand unter seinen Händen.

 

ausgewählte Illustrationen:

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